Fließtechnik als Ausdruck des Lebendigen

 In der Fließtechnik offenbart sich das Wesen des Zufalls als schöpferischer Partner. Farbe wird nicht gezähmt, sondern freigesetzt—sie strömt, tropft, explodiert, verschmilzt. Was entsteht, ist kein kontrolliertes Abbild, sondern ein emotionales Ereignis. Die Leinwand zeigt die innere Bewegtheit.

 Rhythmus der Elemente

 Die dominanten Rot-, Gelb- und Blautöne wirken wie elementare Kräfte: Feuer, Wasser, Luft. Sie begegnen sich in einem Tanz der Kontraste. Die fließenden Übergänge und abrupten Farbspritzer erzählen von Spannung und Entladung, von innerem Aufruhr und ekstatischer Hingabe.

 Das Fließen als Metapher

 Fließtechnik ist nicht nur ein Stil, sondern war für mich eine neue Erfahrung. 2008 war ich bei einer der letzten Schüttaktionen von Hermann Nitsch in Mistelbach dabei. Angeregt, ja beinahe im Farbrausch versunken, suchte ich einen Raum für einige Wochen, in der sich eine ähnliche Schüttaktion durchführen ließ.  Es war die intensivste Malerfahrung meiner langjährigen, kreativen Tätigkeit.

Ich öffnete mich für einen Prozess, bei dem die FARBEN aber auch die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen nicht linear verlaufen, sondern sich überlagern, vermischen und manchmal überfluten. Die Technik wird zur poetischen Analogie für das Leben selbst: unvorhersehbar, intensiv, bunt und schön. In diesen Werken tanzt die Farbe nicht nur über die Leinwand—sie lebt, atmet, verbindet sich zu neuen Farben. Die Fließtechnik wird zur Bühne für das Unkontrollierbare, das Emotionale, das Elementare. Was sich zeigt, ist kein Bild im klassischen Sinn, sondern ein Zustand: ein farbgewordener Moment zwischen Zufall und bewusst gesetzten Farben.

 

Die Fließtechnik erlaubt es, das Werden und Vergehen sichtbar zu machen. Nichts ist endgültig, alles bleibt im Wandel. So wird die Leinwand zum Spiegel einer lebendigen Seele.

 


 

 

Bildserie von 2018 für WIFI - Ausstellung