PERSÖNLICHER FREIRAUM - WAHL zwischen BEZIEHUNG und  AFFÄREN

© Gerlinde Pauschenwein 

 

Immer noch träumte ich von Theo, jenem Mann, der mich für viele Monate, es war beinahe ein Jahr,  aus meinem emotionalen Schneckenhaus geholt hatte. Er war fair und sagte mir bei unserem ersten Treffen, während eines langen Gespräches nach dem Konzertbesuch, dass er verheiratet ist und seine Frau aus Pflichtgefühl nie verlassen würde. Auch war er der erste Mann, der sich nicht als Macho gab, der mir erklärte, ihm sei der Anima Anteil seiner Seele sehr wohl bewusst und wichtig. 

Es lag an mir, eine Entscheidung zu treffen, ob ich mich auf eine zeitlich begrenzte Affäre einlassen wollte. Ich überlegte nicht lange, denn Theo interessierte mich als intellektueller Mann mit Tiefgang, vielen Interessen und besten Umgangsformen.

Als sensibler Künstler war er ein ganz besonders aufmerksamer, liebevoller Mann. In Theo hatte ich einen leidenschaftlichen Liebhaber gefunden, mit dem ich tiefgehende Gespräche führen und Kultur genießen konnte. Durch diese Affäre erlebte ich, was es bedeutet, genügend FREIRAUM zu haben.

Ich konnte nach Dienstschluss Freundinnen treffen, ohne beim nach Hause kommen Rechenschaft ablegen zu müssen, warum ich mich eine halbe Stunde verspätet habe. Zynische Bemerkungen, >was wir Weiber so lange reden müssen<, Beschimpfungen über Geldverschwendung für Theaterkarten und andere untergriffige Äußerungen gab es nun nicht mehr.

Ich hatte Zeit für mich, zum Lesen, zum Träumen, für alle anderen Hobbys. 

Meine Freizeit war neben meinem Beruf vollkommen ausgefüllt und meine Lebensfreude hatte sich enorm gesteigert.

Natürlich schmerzte der Abschied von Theo, auf den ich mich von Anfang an einstellen musste, natürlich wäre mir lieber gewesen, Theo hätte seinen Aufenthalt um eine weitere Saison in Wien verlängern können. Eine Zeitlang schickte er mir sehnsuchtsvolle SMS, nach Wochen trafen wir einander noch einmal für zwei Tage in München. Dieses Aufflackern von Leidenschaft und Vertrautheit tat zwar unseren Körpern, nicht jedoch unserer Seele gut. Auch er gestand, dass es für ihn mehr, als nur eine oberflächliche Affäre war.

Noch einmal Abschied nehmen, aus Vernunftgründen endgültig! Es war eine ungemein bereichernde Affäre, es gab nichts zu bereuen!

Diesen Schritt, eine Liaison einzugehen, hat einen Umdenkprozess, der bereits nach der Scheidung begonnen hatte, weiter vertieft. Meine Ehe war eine große menschliche Enttäuschung, darüber will ich nicht schreiben. Allerdings habe ich mir geschworen, nie wieder zu heiraten, nie wieder mit einem Macho faule Kompromisse einzugehen. Ich bemerkte, das ALLEINE LEBEN unendlich viele Vorteile mit sich brachte.  

Ich hatte in punkto Männer durch einige  unerfreulichen Dates  dazugelernt.  Es gibt keine treuen Männer, und wenn, dann sind sie nur aus Bequemlichkeit treu.  Viele Männer sind entweder Machos, Muttersöhnchen, Egoisten oder impotente Softies.

Was wollte ich für den Rest meines Lebens? SELBSTBESTIMMT LEBEN, nichts sonst.

In meinem Singleprofil schrieb ich nach dieser Affäre mit THEO bei >SUCHE<, nicht >Partnerschaft-Ehe< sondern: >Dauerbeziehung mit intellektuellem Mann - getrennt wohnen! <.