EIN FRAUENSCHICKSAL 

 

Zum Weltfrauentag!

 

 Mich interessieren immer schon Lebensgeschichten von Frauen.

 

Die Momentaufnahme aus einem Frauenleben, die ich ihnen heute erzählen werde, lässt sich aus zwei Blickwinkeln betrachten. Einerseits geht es um die Frage der Emanzipation vieler Frauengenerationen, andererseits um das Thema ERINNERN: Gleich zu Beginn möchte ich die Frage an sie alle richten:

 

Welche Bedeutung haben ERINNERUNGEN in IHREM LEBEN? Wird Ihr Leben immer mehr von den Erinnerungen bestimmt und gelebt, oder haben sie noch aktive Ziele, die sie anstreben, bevor sie sich nur mehr dem Erinnern hingeben?

 

Gedächtnis und Erinnerung lassen sich bekanntlich nicht trennen. Man könnte sagen: Das ganze Leben besteht aus Erinnern. Ohne Erinnerung ist eine persönliche Identität gar nicht möglich, daher ist meines Erachtens die Demenz oder Alzheimer Erkrankung die größte Bedrohung im Alter. Insofern stimmt Jean Pauls Ausspruch nur bedingt, wenn er sagt:

 

>Erinnerung ist ein Paradies, aus dem wir nie vertrieben werden können<.

 

Vor 22 Jahren habe ich die folgende Geschichte in groben Zügen niedergeschrieben und später überarbeitet. Ich lebte damals am Land, war verheiratet und diese Begebenheit kann ich nur erzählen, weil eine damals 86ig jährige Dame ihre Erinnerungen mit mir geteilt hat.

 

 

DAS KLAVIERSPIEL oder EIN FRAUENSCHICKSAL

 

Geschmeidig gleiten die Finger der 86-jährigen, zierlichen Nachbarin mit dem weißen, zum Knoten gebundenen Haar über die Tastatur unseres neu erworbenen Klaviers, das wir für die Kinder gekauft haben. Immer wieder schüttelt Frau ANNA ihren Kopf, so als wollte sie sagen: >Oh, das gefällt mir gar nicht<.

 

 Holprig versucht sie, aus dem Gedächtnis, den Donauwalzer sowie eine Etüde von Chopin zu spielen. Verstohlen wischt sie dabei Tränen von ihren Wangen. Ihr Mann steht schweigend daneben, er wirkt sehr angespannt.

 

„Komm, lass das!“, sagt er sehr bestimmt.

 

Sie aber hört ihn nicht, wie in Trance sitzt sie da und spielt.

 

Mein Mann schlägt dem Nachbarn einen Rundgang durch den großen Garten vor mit dem Hinweis, bis zur Jause sei noch reichlich Zeit. Ich reiche Frau ANNA einige Notenblätter. Die Nachbarin lächelt mich dankbar an. Ihr Klavierspiel wird lebhafter, sicherer, ich bin erstaunt, wie flüssig sie vom Blatt spielen kann.

 

Neben Frau ANNA sitzend lausche ich einigen Chopin-Etüden aus OPUS 10 und 12. Nach etwa 20 Minuten beendet sie ihr Spiel. Als sie aufblickt, steht in ihrem Gesicht Überraschung geschrieben – für einige Augenblicke scheint sie nicht zu wissen, wo sie sich befindet. Verwundert sagt sie:

 

„Ach, ich hab ganz vergessen, wo ich bin, ich war jetzt weit weg, ich saß gedanklich in Berlin und in einem Schloss in Jugoslawien am Klavier.“ Sie macht eine kurze Pause, überlegt und setzt fort: „Dies alles liegt mehr als 65 Jahre zurück!“ 

„Anna, wann haben Sie Klavierspielen erlernt? In ihrem Wochenendhaus gibt es kein Klavier. Haben Sie eines in ihrer Wiener Wohnung?“

 

„Nein, ich besitze leider kein Klavier“, antwortet sie traurig.

 

„In welchem Schloss waren sie in ihrer Erinnerung?“, frage ich neugierig.

 

„Interessiert Sie meine Geschichte wirklich? Ich habe seit Jahrzehnten nicht mehr darüber gesprochen, genau genommen, seit ich meinen Mann kennen gelernt habe. Nur er und seine Schwester kennen meine Geschichte. Ich habe ja keine anderen Verwandten, sie sind alle im Krieg umgekommen oder längst verstorben. Kinder sind uns verwehrt geblieben.“

 

Frau Anna holt tief Luft und ergänzt mit schroffem Tonfall: „Mein Mann konnte mir erst in meinem 45. Lebensjahr einen Antrag machen. Naja, wir hatten keine eigene Wohnung, erst in den Fünfzigerjahren konnten wir heiraten und eine Wohnung mieten. Für ein Klavier hatten wir weder den Platz noch das Geld. Außerdem interessierte sich mein Mann nie für Musik. Aber er war immer ein guter Mann und ich war immer eine tüchtige Hausfrau, so wie es sich gehört! Klavierspielen wäre in seinen Augen Zeitverschwendung gewesen.“

 

In ihrem letzten Satz schwingt Verbitterung mit. Ich spüre, sie will mir aus ihrem Leben erzählen. Vom Musikzimmer gehen wir in das große Wohnzimmer mit Blick in den Garten. Auf den braunen Ledersofas nehmen wir Platz. Ich reiche ihr ein Glas Mineralwasser.

 

Ihre sonst eher verhärmten Gesichtszüge wirken weich, man kann erkennen, dass sie einmal eine sehr schöne Frau gewesen sein muss.

 

Frau Anna beginnt zu erzählen.

 

Es war Vaters Wunsch gewesen, dass seine einzige Tochter schon mit fünf Jahren das Klavierspiel erlernt, wie alle Mädchen aus gut bürgerlichem Haus. Er wollte die beste Erziehung für sein Kind. Nana, wie sie von allen genannt wurde, liebte das Klavierspiel über alles und übte weit mehr, als die strenge Lehrerin von ihr verlangt hatte. Mit 10 Jahren stürzte Nanas Welt ein. Ihr geliebter Vater verstarb mit 34 Jahren an Knochenkrebs. Mutter war nicht berufstätig, die kleine Beamtenpension reichte kaum zum Überleben. Mutters Bruder Alois, ein reicher Meidlinger Fleischhauer, finanzierte Annas Klavierstunden weiter. Seine ebenfalls 10-jährige Tochter Luise erhielt seit sechs Jahren Klavierstunden von einem Hauslehrer. Anna durfte daran teilnehmen. Als Annas Mutter den Flügel verkaufen und die große Zweizimmerwohnung aufgeben musste, gingen sie zusätzlich zweimal pro Woche zum Üben in Onkels Wohnung.

 

Für die lebenslustige aufgeweckte Luise bedeuteten die Klavierstunden eine Qual, auch beneidet Luise ihre Cousine, weil diese das Klavierspiel nicht nur besser beherrschte, sondern voller Enthusiasmus diese Stunden herbeisehnte. Es kam nach zwei Jahren zu Spannungen zwischen den pubertierenden Mädchen, die in einem bösen Streit endeten. Onkel Alois untersagte daraufhin Annas Klavierstunden. Mutter reagierte gekränkt.

 

Die junge Witwe wollte ihrer Tochter zumindest eine gute Ausbildung bieten. Nach der Bürgerschule sollte Anna den Beruf einer Weißnäherin erlernen. Vaters Tod, sowie das Ende ihres geliebten Klavierspiels waren Anna sehr nahegegangen, sie kränkelte immer mehr, nach wenigen Monaten musste sie auf Anraten einer Ärztin die Lehre abbrechen, das stundenlange Sitzen tat weder ihrer Lunge noch der Wirbelsäule gut.

 

Der Onkel sprang noch einmal ein und suchte für sie eine Stelle als Dienstmädchen. Die angebotenen Möglichkeiten waren jedoch in Mutter`s Augen ihrer Tochter nicht würdig.

 

Die Besitzerin des großen Zinshauses, in dem Anna mit Mutter nun in einem kleinen Zimmer mit Kabinett und Küche wohnte, erfuhr von den tragischen Umständen und nahm sich um Anna an. Durch ihre Vermittlung ergab sich sehr bald die große Chance.

 

Gemeinsam mit ihrer Mutter wurde ANNA in das Haus des damals berühmten Sängers und Schauspielers Fritz Steiner zu einem Vorstellungsgespräch geladen. Onkel Alois gab für alle Fälle ein großes Stück Fleisch mit. Annas gute Umgangsformen, ihre gewählte Sprache fanden Gefallen, die Steiners boten ihr die Stelle als Dienstmädchen an. Frau Gusti Steiner erklärte Anna ihren Aufgabenbereich in der großen Dreieinhalb-Zimmerwohnung. In der Küche hatte man für Anna eine 2x2 m kleine Privatsphäre eingerichtet, abgeschirmt durch einen Paravent.

 

Während der Woche wohnte Anna bei Steiners, im Salon wurden oft Gäste empfangen. An manchen Samstagabenden durfte Anna zu Hause bei Mutter übernachten.

 

Frau Anna nippt am Kristallglas, macht einen kleinen Schluck, sieht mich an und sagt mit verklärtem Blick:

 

„Ach, am schönsten war die Zeit in Berlin! Fritz Steiner wurde eingeladen, mit dem Metropol Tanzorchester aufzutreten, auch Operetten sang er in Leipzig und spielte sogar in Filmen mit, es muss etwa um 1930 gewesen sein, denn dann musste er weg, er ging nach Ungarn zu Verwandten, er war Jude. Ich habe nach dem Krieg nie wieder die Steiners getroffen, obwohl er in Wien wieder in Operetten auftrat. Aber damals in Berlin, da wohnten wir im besten Viertel am Kurfürstendamm. Das war eine prunkvolle Wohnung, ich hatte mein eigenes Zimmer. Frau Steiner erlaubte mir täglich abends am Flügel zu spielen. In dieser kostbarsten Stunde des Tages fühlte ich mich nicht als Dienstmädchen: Ich vergaß alles um mich und träumte von einer Karriere als Pianistin. Ja, wenn Vater noch gelebt hätte…“

 

Ohne mich anzusehen, nimmt Frau ANNA wieder einen Schluck aus dem Glas und setzte mit ihren Erinnerungen fort.

 

„Nach dem Jahr in Berlin wurde die große Familie der Steiners zum Wiedersehens-Fest geladen. Auch die Familie des Grafen aus Jugoslawien, heute ist das Kroatien, kam zu Besuch. Ich mochte die Gräfin nicht, die war so von oben herab. Einmal waren die gräflichen Gäste wieder angemeldet, ich sollte ein Linsengericht und als Nachspeise Griesnudeln mit Kompott kochen. Durch einen Zufall ertappte mich die Gräfin dabei, wie ich mir in der Küche ungefragt Zucker über die Griesnudeln streute, worauf die Gräfin entrüstet zu Frau Gusti sagte, ihre Dienstboten hätten nicht das Recht zu tun was ihnen beliebt, schon gar nicht ungefragt Zucker zu nehmen.“

 

Ich frage mich, wie kostbar Zucker in jener Zeit war…

 

Frau Annas Wangen sind gerötet. Ohne zu unterbrechen stelle ich ein Glas Rotwein neben das Wasserglas und deute mit einer Handbewegung an, sie möge sich bedienen.

 

Die Nachbarin verneint mit einem Nicken und kehrt in ihre Jugend zurück. Sie blickt mich an, während sie weitererzählt.

 

 „Im Sommer wurde Frau Gusti Steiner zu einem sechswöchigen Urlaub nach Jugoslawien eingeladen. Ich durfte mitkommen und sollte der gräflichen Köchin mit Hilfsdiensten zur Hand gehen. Eigentlich war es mein erster Urlaub. Sehr viel Arbeit hatte man mir nicht zugewiesen. Am frühen Nachmittag, wenn die Herrschaften durch die Weingärten spazierten, durfte ich am Konzertflügel des jungen Herrn Grafen spielen. Der Flügel stand im Salon, dessen große Doppeltüre auf die Terrasse führte, mit Blick in den gepflegten Garten und die angrenzenden Weingärten. Eines Nachmittags, ich hatte die Herrschaften nicht kommen gehört, wurde die große Flügeltüre mit einem heftigen Schwung aufgestoßen, der junge Herr Graf kam hereingestürzt, nahm meine Hände in die seinen und sagte: >Anna, sie spielen ja wunderbar. Wie kommt es, dass sie trotz ihrer begnadeten Hände nichts anderes tun, als bei fremden Leuten kochen und putzen? Das muss sich ändern! <. Verlegen erklärte ich ihm die tragischen Umstände meines Lebens. Daraufhin küsste mir der junge Graf die Hand. Es war das erste Mal, dass mir jemand die Hand geküsst hat!“

 

Wieder legt die Nachbarin eine Pause ein, verharrt einige Minuten mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen, nippt nun doch am Weinglas. Ich wage nicht, Fragen zu stellen, will ihre Gedanken nicht unterbrechen.

 

In Frau Annas Gesicht, das von den Runen des Lebens gezeichnet ist, kehrt plötzlich Jugend und Lebensfreude zurück.

 

„Wir waren im Herbst wieder in Wien“, setzt sie lächelnd fort. „Wenige Wochen danach gab es eine große Überraschung. Eines Tages stand ein Bote der jugoslawischen Botschaft vor der Tür und brachte ein Kuvert. Frau Gusti übergab mir daraus einen an mich adressierten Briefumschlag. Ich öffnete den Brief mit klopfendem Herzen. Darin lag eine Einladung für die Oper >Manon Lescaut< von Puccini. Frau Gusti, die ebenfalls einen Brief erhalten hatte, sagte kurz angebunden, der junge Herr Graf würde in einer Woche nach Wien kommen und mich in die Oper einladen. Danach ging sie kopfschüttelnd in den Salon.

 

Das war eine Aufregung! Woher sollte ich nur ein Kleid nehmen? Zum Glück hatte meine wohlhabende Cousine ein kleines Schwarzes. Schweren Herzens borgte es Mutter für mich aus. Mit einem blauen Satingürtel hielt ich die überschüssige Weite in der Taille zusammen, ich war ja so schlank damals. Die schwarzen Schuhe, die nur zum Kirchgang am Sonntag getragen werden durften, waren noch wie neu, also gab es keine Sorgen um die passenden Schuhe und Mutter borgte mir ihre einzige Handtasche. Mit dem 68 iger fuhr ich zur Oper, es war das wichtigste, ja das aufregendste Ereignis in meinem Leben.“

 

Frau Anna unterbricht ihren Gedankengang und sieht mich an:

 

„Der Herr Graf begrüßte mich, das Wiener Mädel mit den langen blonden Locken mit einem Handkuss. Die Umstehenden beobachteten uns und lächelten, manche ganz süffisant. Naja, es war nicht schwer, die Gedanken dieser Leute in der Oper zu erraten, wenn sie wissen, was ich meine.“

 

Ich nicke stumm und denke an manche Schnitzler Novellen.

 

„Ja, ja, so sind die Menschen, sie nehmen immer das Schlechte an. Glauben sie mir, der Herr Graf hatte keine bösen Absichten. Nach der Opernaufführung lud er mich noch zum Abendessen in ein kleines Restaurant nahe der Oper ein, wo dies genau war, daran erinnere ich mich nicht mehr. Ich habe zum ersten Mal Champagner getrunken. Die letzte Tram habe ich dann verpasst. Der Herr Graf war so freundlich und gab mir noch das Geld für das Taxi. Zu Hause wartete die Mutter und hielt mir eine lange Moralpredigt, sie sagte, ich darf nie wieder mit dem Herrn Graf ausgehen“ - sie legt eine Pause ein: „Ach, die Mutter, die war ja immer so streng.“

 

 Hier unterbricht die Nachbarin endgültig, sie trinkt wieder einen Schluck Rotwein. Ich proste ihr zu. Staunend habe ich der alten Dame zugehört. Seit zehn Jahren kannten wir einander, noch nie in all den Jahren war sie aus sich herausgegangen.

 

Ich konnte meine Neugierde nicht bezähmen und frage: „Haben sie den Grafen wieder getroffen?“

 

Wieder huscht ein seliges Lächeln über ihre Falten, sie blickt mich an, will weitererzählen, da kehren unsere Männer aus dem Garten zurück. Frau Annas Lächeln verschwindet schlagartig.

 

Die nächste halbe Stunde verläuft so, wie ich es in den letzten zehn Jahren bei den fallweisen Besuchen üblich war.

 

Der alte Nachbar gräbt seine Kriegserinnerungen aus, die wir schon X Mal gehört haben, seine Frau sitzt schweigend daneben und hört ehrerbietig zu, wie es scheinbar für eine Frau dieser Generation üblich war.

 

Als sich die beiden verabschieden, drückt mir Frau Anna ganz fest die Hand und flüstert mir mit glücklichem Gesichtsausdruck zu: „Ich danke Ihnen so sehr, dass ich auf ihrem neuen Klavier spielen durfte und dass sie mir zugehört haben! Diese Geschichte von der Oper habe ich noch nie erzählt, auch meinem Mann nicht!“

 

„Frau Anna, sie können gerne nur zum Klavierspielen kommen, am Vormittag sind mein Mann und ich in der Ordination, die Kinder in der Schule, nur unsere Haushälterin ist hier“, sage ich so laut, dass es die beiden bei der Eingangstüre stehenden Männer hören können.

 

Der alte Nachbar sieht mich überrascht an: „Am Vormittag? Am Vormittag muss meine Frau kochen!“, sagt er sehr höflich und reicht mir die Hand.

 

 Vielleicht hätte Frau Anna bei einem anderen Verlauf ihres Schicksals wirklich eine Karriere als Pianistin machen können, denke ich. Das Klavierspiel hatte bei ihr eine Türe in ihre lange zurückliegende Jugend aufgestoßen. Frau Annas Augen strahlten beim Erzählen Frische und Kraft aus, wie ich dies bei ihr noch nie gesehen hatte. Ein Stück Erinnerung, das mehr als 65 Jahre zurücklag.

 

 

 

Durch dieses Gespräch wurde mir wieder bewusst, wie schwierig, oder gar unmöglich es für Frauen vieler Generationen war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

 

Auch in meiner Generation wurden wir Frauen noch unterdrückt. Im Laufe der Jahre habe ich einige Schriftstellerinnen und Künstlerinnen kennengelernt, denen es ähnlich wie mir ergangen ist. Ein öffentliches Auftreten, sei es mit Bildern oder mit Lyrik war von den Ehemännern nicht erwünscht.

 

Selbstbewusste, selbstständige Frauen waren in den 70iger 80iger und 90iger Jahren noch Außenseiterinnen.

 

Der gängige Ausspruch meines Schwiegervaters lautete: Eine Frau hat dem Mann zu dienen, die Kinder zu versorgen, sie soll kochen, putzen und stricken und keine Fragen stellen, wenn der Mann alleine in den Urlaub fährt. Schwiegermutter entsprach diesem Frauenbild ganz und gar.

 

Erst 1975 kam die gesetzliche Wende durch die Familienrechtsreform Frauen und Männer wurden rechtlich gleichgestellt: Frauen durften ohne Zustimmung des Mannes arbeiten, über den Wohnsitz mit entscheiden und den Familiennamen wählen.

 

Und was sieht es heute mit der Situation der jungen Frauen aus?

 

Was hat die Emanzipation bewirkt? Ist es ein Sieg gegen Unterdrückung geworden, sind die Frauen gleichberechtigt? Oder ist es noch schwieriger geworden, weil nun Karriere, Kind und Mann unter einen Hut gebracht werden müssen?

 

In einem Buch von Susan Faludi über den Feminismus, fand ich einen Bericht über eine amerikanische Studie, die schon vor Jahren belegte, dass akademisch gebildete, selbstbewusste Frauen ab 35 nur noch zu 5% eine Chance auf eine Verehelichung haben, und Frauen ab 40 eher von einem Terroristen erschossen, als von einem Mann geheiratet werden.

 

Die Frage bleibt offen, wie selbstbestimmt können unsere Enkeltöchter, wenn sie noch eine Familie wollen, ihr Leben führen?

 

  Aber das ist eine andere Geschichte…